Kleiner Wirbelwind

 

He, du kleiner Wirbelwind –

woher nimmst du den Schwung?

Komm, halt mich jung.   
Weiß du, wie müde Erwachsene sind?

Sei etwas gnädig, mein Kind.       

 

Da liegen sie im Bett,

das Fenster dicht gemacht.                       

Angeblich ist’s da nett –

aber doch wohl nur bei Nacht.                   

Und die ist doch lang schon vorbei.

Aufstehn - sonst gibt es Geschrei!

 

Da schleichen sie in Schlappen,

und der Kopf tut ihnen weh.

Nichts will ihnen klappen

vor dem ersten Schluck Kaffee.

Jede Bewegung ist Kampf –

na los jetzt - sonst gibt es Dampf...

 

Erst haben sie sich abgefüllt –

und jetzt zwickt sie der Bauch.

Ein angeschwoll’nes Jammerbild –

und Mitleid woll’n sie auch.

Das nächste Mal fresst nicht so viel –

antreten: Spiel ist kein Spiel!

 

Da kommen sie zur Tür rein

und sind angeblich geschafft.

Das kann doch wohl nicht wahr sein,

denn: Wo blieb die ganze Kraft?

Verplempert! Die Nerven? - Verbraucht!

Wie bitte? Eltern sein schlaucht?

 

He, mach mal halblang, kleiner Wirbelwind,

Klar hast du recht - doch mir geht’s so schlecht.
Warte bis ich meine Kraft wiederfind’ –

sei etwas gnädig, mein Kind.

 

Copyright Ende der 80er Jahre  Gerd Schinkel