INQUISITOREN

 

 

 

Stellt doch nicht Leute an den Pranger,

die ja nur Hitlers Kinder warn,

 

haben sie lang mit Scham verschwiegen,

was sie mal warn in jungen Jahrn.

 

Es gibt heut wieder junge Nazis,

die stark sich fühln, komm sie in Schar’n.

 

Die muss man in die Schranken weisen -

da könnt ihr euch Verständnis sparn.

 

 

 

Auf alte Leute einzuschlagen,

als hätten sie als Kind versagt,

 

weil sie erwachsenen Verbrechern,

nicht Nein zu sagen einst gewagt.

 

Die alten Nazis warn erwachsen,

so wie die neuen, die heut schrein,

 

Man kann den jungen, wie den alten

Hass und Hetze nicht verzeihn.

 

 

 

Ein alter Mann, der heut dabei ist,

und gegen Nazis demonstriert,

 

der längst begriffen hat, was drohn wird,

wenn man nichts tut, was dann passiert.

 

Der seinen Mund nun deutlich aufmacht,

laut sagt, was dringend nötig ist,

 

und der sich mutig in den Weg stellt,

ist einer wieder ein Faschist.

 

 

 

Eine Frau, die alt geworden,

ein Mädchen war beim BDM,

 

aus der Vergangenheit gelernt hat,

die Auschwitz kennt und Yad Vashem,

 

die auch den Holocaust nicht leugnet

und ihn auch nicht relativiert,

 

will auf der Strasse mitverhindern,

dass Nazi-Pack dort aufmarschiert.

 

 

 

Die Alten, die nun aufbegehren,

und miterlebten, was geschehn,

 

die vieles sahen, manches ahnten,

zu jung warn, um zu widerstehn.

 

War denn ihr Schweigen all die Jahre,

verbrecherisch wie das, was war…

 

Gerechtfertigt oder verharmlost

haben sie nicht, was einst geschah?

 

 

 

Zeigt eure Strenge nicht bei denen,

die ihre Kinderzeit verdrängt,

 

und ihre Scham nie überwunden,

doch sich auf besseren Kurs gelenkt,

 

die heut nicht mit Faschisten laufen,

die’s nicht nur hierzulande gibt.

 

Dem Widerstand nützt nicht, wer jene,

die heut mitgehn auf Seite schiebt.

 

 

 

Copyright 2020 Gerd Schinkel