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Leserbrief-Antwort auf  den Aufmacher im Kölner Stadtanzeiger vom Freitag, 16.3.2018 mit der Überschrift „Drohungen gegen RWE-Mitarbeiter“ von Michael Greuel:

(hier in voller Länge)

 

 

 

Absender:

 

Gerd Schinkel

 

Wildenburgstrasse 32

 

50936 Köln

 

                                                                                                      

 

 Freitag, 16.3.2018

 

 

 

Ihr heutiger Aufmacher-Artikel von Michael Greuel, basierend auf einem Gespräch mit dem RWE-Power-Chef Frank Weigand, kann nicht unwidersprochen bleiben. Er reiht sich ein in eine ganze Reihe von Versuchen, den Widerstand gegen eine Restabholzung des Hambacher Forstes zu kriminalisieren. Das Rodungsvorhaben von RWE ignoriert sämtliche vordringlichen Klimaschutzbestrebungen zum Schutze aller Küstenregionen. Weigands scharfe Verurteilung der legitimen Proteste dagegen ist eine pauschale Verleumdung und Verunglimpfung aller Natur- und Klimaschützer, die sich an Ort und Stelle über das unverantwortliche Vorgehen von RWE informieren wollen. Sie böten einen Anlass für Anzeigen wegen Verleumdung und falscher Anschuldigungen.

 

 

 

In Zusammenhang mit der Waldbesetzung von Gewalt gegenüber Mitarbeitern von RWE zu sprechen, ist zynisch. Einer akuten Bedrohung ausgesetzt sieht sich die Belegschaft von RWE durch den eigenen Vorstand, der mit seiner Entscheidungen zur Umstrukturierung Arbeitsplätze abbaut. Um Kosten zu sparen Stellen zu streichen, steht im krassen Widerspruch zur Argumentation der Branche, wenn sie sich gegen Forderungen wehrt, die Braunkohle nicht mehr zur Energiegewinnung zu nutzen. Wenn es um die Abwehr von Klima- und Umweltschutzvorgaben geht, wird die Arbeitsplatzsicherung mit zuvorderst genannt, um dem Braunkohleabbau eine andauernde Daseinsberechtigung zuzuschreiben.

 

 

 

Wenn „Gewalt“ angewendet wurde oder wird, dann durch RWE bei der Erweiterung des Tagebaus, beispielsweise in Immerath beim Abriss der Ortschaft und des Domes, oder beim noch nicht aufgegebenen Vorhaben der Rodung des Hambacher Forstes, gegen das die Besetzer des Waldes mit friedlichen Mitteln aktiv sind. Oder hält RWE das Besteigen von Bäumen oder das Verkriechen in Erdlöcher, um so den Wald vor weiteren Rodungen zu schützen, für Gewalt gegen RWE-Mitarbeiter? Da hat die Kultur vernichtende Abriss-Gewalt in Immerath eine andere Qualität.

 

 

 

Die Kriminalisierung des Protestes wird absurd, wenn Waldbeschützer, die ihren Lebensmittelpunkt sogar in den Wald verlegt haben, vorgeworfen wird, ein Messer in der Tasche zu haben. Ein solches Utensil hat jeder halbwüchsige Junge in der Hosentasche, um damit die Rinde von Zweigen zu schälen oder sich Brot, Käsestücke oder Salami abzuschneiden. Ist jemand, der sich zur Daseinsvorsorge ausgestattet hat, deshalb bereits ein potentieller Gewalttäter? Dass Landesinnenminister Herbert Reul auf ähnliche Art den Protest in Hambach kriminalisiert, könnte eine Erklärung darin finden, in welcher Weise Reul dem Unternehmen RWE verbunden war oder sogar noch ist. Womöglich wäre es ein Fall für transparency international hier aufzudecken, wer in welchem Amt wessen Interessen vertritt – und was er dafür einstreicht.

 

 

 

Waldbesetzer, die eine Mithilfe bei der Identitätsklärung verweigern, wollen ihrem Anliegen so mehr öffentliche Aufmerksamkeit verschaffen – ein durchaus legitimes Vorgehen, denn schließlich nehmen sie damit auch staatliche Zwangsmaßnahmen in Kauf. Weigand rügt, dass einige Waldbeschützer nicht aus der Region kommen, sondern aus dem Ausland. Das Demonstrationsrecht ist in Deutschland nicht an eine deutsche Staatsbürgerschaft gekoppelt und steht jedem zu, der sich an die gesetzlichen Vorgaben hält. Menschen aus anderen Ländern wehren sich auf deutschem Boden dagegen, dass sich die Luftverpestungen von RWE in Deutschland weltweit schädigend auf das Klima auswirken. Dies entspricht auch dem Anliegen eines peruanischen Bauern, der in Deutschland RWE verklagt hat und dem das zuständige Gericht – gegen den Widerspruch von RWE - eine Klagebefugnis eingeräumt hat.

 

 

 

Sind die Waldschützer inzwischen Radikale, wie Weigand behauptet? Radikale Waldbeschützer in der Tat. Aber richten sich deren Aktionen tatsächlich gegen unser Gesellschaftssystem und gar nicht gegen die Rodungspläne von RWE? Man könnte eher den Eindruck gewinnen, die „Radikalen“ sitzen im RWE-Vorstand. Deren radikales Vorgehen zur Sicherung seiner Erträge steht in keinem Verhältnis mehr zur Wirtschaftlichkeit der Unternehmensaktivitäten. Dass der RWE-Vorstand immer noch keinen Plan hat, sich mit einer langfristigen Zukunftsperspektive aufzustellen – und so in gleicher Weise sowohl die Arbeitsplätze seiner Belegschaft zu sichern, als auch die Gewinne seiner Aktionäre – ist die weitaus größte Bedrohung, der sich die Eigner von RWE ausgesetzt sehen sollten. Und diese Bedrohung richtet sich weitaus mehr gegen marktwirtschaftliche Pfeiler unseres Gesellschaftssystems.

 

 

 

Nun wird nach dem abscheulichen Säure-Anschlag auf den Finanzvorstand des Ökostromanbieters Innogy angedeutet, es könne eine Verbindung zu den Waldbeschützern geben. Die Hintergründe des Anschlags sind nach Polizeierkenntnissen noch völlig unklar. Alle Mutmaßungen sind Spekulation – auch die, es könnte ganz andere Erklärungen geben, die vielleicht mit der RWE-Umstrukturierung zu tun haben. Mein Ratschlag an den RWE-Power-Chef Weigand: Mal den Ball flach halten. Lukrative Chefpositionen gehen rascher verloren als mancher Manager denkt. Und ein Imageschaden durch schlechte Presse wirkt sich auf Aktienkurse nicht gut aus.

 

 

 

Gerd Schinkel, Köln

 

 

 

 

 

 

 

Der Dom von Immerath

 

 

 

Als Bauwerk ein wahres Schmuckstück,

 

und ein Wahrzeichen für die Region,

 

Die Baukunst neuromanisch -

 

das sah man auch von weitem schon.

 

Die hohe Doppelturm-Fassade

 

war die einzige im ganzen Kreis.

 

Sie musste den Baggern weichen -

 

Fehlt für Wahnsinn immer noch Beweis.

 

 

 

Refrain:

 

Im Dom von Immerath,

 

sah man die Glocken fehlen.

 

Beim genauen Hinschaun sah man Seelen

 

sich von dannen stehlen.

 

 

 

Für die Menschen war die Kirche,

 

ein Dom, und so war sie bekannt,

 

Niemand lebt mehr, der mit ansah,

 

wie die Kirche dort im Dorf entstand.

 

Entwidmet schon vor ein paar Jahren,

 

sechs Glocken warn längst abgeseilt.

 

Sie war immer schon mehr als ein Bauwerk,

 

traurig hat mancher vor dem Dom verweilt.

 

 

 

Von der Kanzel hat so oft der Pfarrer

 

Gepredigt und las Gottes Wort,

 

getauft so viele und gesegnet,

 

der Altar, er war ein heil’ger Ort.

 

Wie viele ließen sich hier trauen,

 

betrauert hat man manchen hier,

 

in Glück und Leid stand man zusammen,

 

in der Messe und danach beim Bier.

 

 

 

RWE nahm dem Ort die Zukunft,

 

den Menschen Heimat, Wohnung, Haus,

 

die Gärten, Friedhof, Dorfkrug, Schule,

 

vertrieb sie aus dem Ort hinaus.

 

Wo einstmals Häuser ihn umgaben,

 

dort stand der Dom am End allein,

 

von Gott verlassen und verloren –

 

und keinen ließ man mehr hinein.

 

 

 

Die Kirche, sie hieß Sankt Lambertus,

 

lang stand sie dort in Immerath.

 

RWE kam mit großen Baggern

 

für den Abriss – und dann war sie platt,

 

und für alle Zeit verloren,

 

für ein Loch, das niemandem mehr nützt.

 

Die Zeit der Braunkohle, sie ist vorüber -

 

Wer bleibt, der dieses Land beschützt?

 

 

 

Das Domkreuz hängt an St. Franziskus,

 

In Bonn fand es nun seinen Platz.

 

Bürger haben es gerettet,

 

erkannten es als großen Schatz.

 

Hier thront es an der Kirchenmauer,

 

im alten Teil der alten Stadt,

 

und schamhaft kann man sich erinnern,

 

wie man den Dom zertrümmert hat.

 

 

 

Schlussrefrain:

 

Der Dom von Immerath,

 

entschwunden wie die Seelen.

 

Nur wer sich noch an ihn erinnert,

 

kann von ihm erzählen.

 

 

 

Copyright 2018 Gerd Schinkel

 

 

 

 

 

Die Mühle von Immerath                                    

 

 

 

Der Dom von Immerath bewegte die Gefühle:

 

Er ist zerstört - doch Immerath hat immer noch die Mühle.

 

Älter als der Dom, mehr als dreihundert Jahr,

 

Ist sie ein Teil der Landschaft, die für viele Heimat war.

 

Sie steht am Rand des Ortes, vom alten Dorfkern fern,

 

Wer glaubt, dass solche alten Mühlen nicht mehr wichtig wärn?

 

Man ließ sie dort verfallen, setzte sie nicht mehr instand,

 

dabei ist auch die Mühle ein Symbol für dieses Land.

 

                                             

 

Das Windrad steht seit Jahrn, auch wenn der Wind durch weht –

 

Es hat sich wie ein Rad des Lebens lang im Wind gedreht,

 

geknarrt und auch geächzt, wenn ein Sturm mal kräftig blies,

 

und wer von fern die Mühle sah, sich von ihr grüßen ließ.

 

                                             

 

Ne halbe Million Ziegelsteine sind in ihr verbaut,

 

der Stadt hat sie gehört – die hat nicht mehr nach ihr geschaut.

 

So steht sie schon seit Jahrn, verlassen und längst leer

 

Mag sie im Wind verfallen - man braucht sie ja nicht mehr.

 

Ein Mühlstein hat das Korn zermahlen - dabei half der Wind.

 

Das Windrad hat den Stein gedreht, so ging’s ganz geschwind.

 

Manchmal hat man Getreide gemahlen nur zu Schrot.

 

Wurde Korn zu Mehl, machte der Bäcker daraus Brot.

 

 

 

Die Flügel sind zerbrochen, der Mühlstein nicht mehr dort,

 

der Wind pfeift übern Tagebau, bläst die Geschichte fort.

 

Ein anderer Mühlstein, der liegt heut im neuen Immerath,

 

der alte längst verschwand, weil man sich nicht gekümmert hat.

 

Dem Mühlstein geht’s nicht anders als dem ganzen weiten Land:

 

RWE zerkratzt es ohne Sinn, ohne Verstand.

 

Die Erde kann nicht schreien und kann sich auch nicht wehrn -

 

vom Aussichtsturm aus sieht man RWE das Land verheern.

 

 

 

Nicht weit von dieser Mühle, da dreht sich ein Schaufelrad,

 

schürft erst die Schicht der Erde weg, die nichts zu bieten hat.

 

Nachdem der Abraum abgeräumt, kommt dann die Kohle dran -

 

und alles nur, dass man im Kraftwerk sie verfeuern kann.

 

Die Mühle zu erhalten, dass sie stehn bleibt, wo sie steht –

 

Dazu wird sicherlich beteuert, dass das so nicht geht.

 

Der Tagebau ist sinnlos und nicht mehr zeitgemäß -

 

im Bagger sitzt der Baggerfahrer breit nur sein Gesäß.

 

 

 

Die Braunkohle, für Strom verfeuert, so das Klima killt,

 

und das nur, damit RWE die eigene Geldgier stillt.

 

Der Meeresspiegel steigt, weil man die Kohle hier verbrennt,

 

und sich aus Gewohnheit von dem, was mal war, schwer trennt.

 

Die Mühle steht am Tagebau, ganz nah an seinem Rand

 

auch die zertrümmert bald ein Bagger - wie das ganze Land.

 

Und sicher wird versichert, dass es sein soll wie es muss –

 

Wann ist mit dem Wahnsinn der verbrannten Heimat Schluss.

 

 

 

Copyright 2018 Gerd Schinkel

 

 

 

 

 

Dom-Abriss

 

 

 

Braune Kohle im Boden tief drin, 

 

deren Abbau fehlt jeglicher Sinn,

 

will man rausholen, weil man sie hat -

 

dafür macht man, was drüber steht, platt.

 

Was passiert, das raubt einem die Worte -

 

Vandalismus der übelsten Sorte:

 

Ganze Ortschaften ausradiert, weg -

 

Häuser, Kirchen, Gräber zu Dreck…

 

 

 

Sollte jemand zur Schweigsamkeit neigen,

 

nun ist Zeit, dass man nicht länger schweigt –

 

zu manchem darf man nicht nur schweigen,

 

auch wenn man zur Schweigsamkeit neigt.

 

 

 

Energieunternehmen und Staat

 

eng verbunden wie ein Syndikat.

 

Sind Politiker reichlich geschmiert,

 

wird ein Schmierenstück inszeniert.

 

Die Manager von RWE, 

 

treibt Gier an von Kopf bis zum Zeh.

 

Wer den Abrissbeschluss mittrug,

 

bekam den Hals nicht voll genug.

 

 

 

Wer sich beteiligt, der ist mit dabei.

 

Jedem steht die Entscheidung ja frei,

 

ob man die Karre mit schiebt oder zieht,

 

fördert, was passiert und geschieht.

 

Man entscheidet auch selber, ob man sich wehrt,

 

und sich mutig dagegen stellt -

 

es gibt immer Leute wie Judas,

 

die alles machen, einfach alles für Geld.

 

 

 

Jeder Aktionär hat doch ein Ziel -

 

so hat er seine Hand mit im Spiel.

 

Auf Rendite wird klar spekuliert -

 

Man trägt Schuld mit an dem, was passiert.

 

Manche Stadt hat ein Aktienpaket,

 

verdient mit, wird am Schalter gedreht,

 

sträubt sich gegen Stromkonkurrenten

 

die die Zeichen der Zeit nicht verpennten.

 

 

 

Sollte jemand zur Schweigsamkeit neigen,

 

nun ist Zeit, dass man nicht länger schweigt –

 

zu manchem darf man nicht nur schweigen,

 

auch wenn man zur Schweigsamkeit neigt.

 

 

 

Jeder, der im Vorstand mit sitzt,

 

im Betriebsrat den Kurs unterstützt

 

jedes Mitglied im Aufsichtsrat,

 

und Politiker mit kurzem Draht,

 

jeder, der all die Märchen erzählt,

 

hat sein Thema doch selber gewählt.

 

wer als Konzernsprecher Lügen auftischt,

 

selber gern mit beim Wahnsinn mitmischt…

 

 

 

Wer sich beteiligt, der ist mit dabei.

 

Jedem steht die Entscheidung ja frei,

 

ob man die Karre mit schiebt oder zieht,

 

fördert, was passiert und geschieht.

 

Man entscheidet auch selber, ob man sich wehrt,

 

und sich mutig dagegen stellt -

 

es gibt immer Leute wie Judas,

 

die alles machen, einfach alles für Geld.

 

 

 

Wer als Ingenieur all das geplant,

 

mit den Weg in Zerstörungswahn bahnt,

 

hat er beim rechnen mit einkalkuliert,

 

wie man schließlich sein Tun bilanziert?

 

Ob der Baggerführer mitdenkt,

 

der die Abrissmaschinen mitlenkt,

 

wer Dächer und Mauern zerstört,

 

hat nicht sein Gewissen gehört.

 

 

 

Sollte jemand zur Schweigsamkeit neigen,

 

nun ist Zeit, dass man nicht länger schweigt –

 

zu manchem darf man nicht nur schweigen,

 

auch wenn man zur Schweigsamkeit neigt.

 

 

 

Büttel ist nur, wer‘s will oder mag -

 

bestimmt selbst, was er ist jeden Tag.

 

ob er Hände sich selbst schmutzig macht,

 

dem Gewissen folgt, Untat bewacht.

 

Sekretärin und auch Werkschutzmann -

 

Wer die Hand reicht, der legt sie mit an,

 

Dreck geht von der Haut nicht mehr ab –

 

die Schuld nimmt man mit sich ins Grab.

 

 

 

Wer sich beteiligt, der ist mit dabei.

 

Jedem steht die Entscheidung ja frei,

 

ob man die Karre mit schiebt oder zieht,

 

fördert, was passiert und geschieht.

 

Man entscheidet auch selber, ob man sich wehrt,

 

und sich mutig dagegen stellt -

 

es gibt immer Leute wie Judas,

 

die alles machen, einfach alles für Geld.

 

 

 

Kritisier ich zu schnell und zu platt,

 

den, der für andre zu arbeiten hat,

 

ne Familie hat, nicht anders kann,

 

wär’ er ohne Job: was macht er dann?

 

Wer stellt Weichen? Hat Knöpfe gedrückt?

 

Wer bestimmt? Wer hat sich nur gebückt?

 

Wer setzt schweigend um, was man verlangt.

 

Und wer nicht – wird das denen gedankt…?

 

 

 

Sollte jemand zur Schweigsamkeit neigen,

 

nun ist Zeit, dass man nicht länger schweigt –

 

zu manchem darf man nicht nur schweigen,

 

auch wenn man zur Schweigsamkeit neigt.

 

 

 

Copyright 2018 Gerd Schinkel

 

 

Hinweise auf frische Eindrücke und neue Reaktionen, auf Aktualisierungen, neue Liedertexte, neue Videos usw

wenn sich aus der Aktualität ein nagelneues Lied ergeben hat - oder ein schon vorhandenes Lied wieder mal zur nagelneuen Aktualität passt, dann ist es unter "aktuelles Lied zu finden...

Freunde, seid wach
Text und Musik: Gerd Schinkel
Freunde, seid wach.mp3
MP3 Audio Datei 3.6 MB

Eine notwendige Klarstellung - zum Schutz vor Verirrung und Verwirrung

Um falschen Erwartungen, Enttäuschungen oder Irritationen bei meinen Konzertbesuchern vorzubeugen, liegt mir daran, klar zu umreißen, was man bei mir erwarten kann und was nicht -

egal wo, egal wann, egal wer.

 

Der Liedermacher Gerd Schinkel sucht als Sänger seiner eigenen Lieder ganz gewiss nicht

die künstlerische Nähe zu deutschsprachigen Kleinkünstlern oder feinsinnigen Humoristen, weder zu Kabarettisten, noch zu wortwitzigen Liedermachern, denen der vermeintlich gute Gag wichtiger ist als die gestimmte Gitarre (geschweige denn zur Comedy-Szene, denen die Entwicklung der Flachbildschirme inhaltlich so wundersam entgegen gekommen ist), und auch nicht zu Sprach- oder sich kritikasternd "Selbst zur Schau-Stellern" und ihren Claqueuren und Zirkeln.

 

Sie alle mögen sich in ihren Programmen zum ausschließlichen Ziel gesetzt haben, ihr Publikum zu unterhalten, und sei es auch gelegentlich mit nachdenklichem Unterton. Doch da schiebt der unübertroffene Loriot mit dem Resümee seines Lebenswerkes "Tragödie kann jeder, Komödie nur wenige" die Messlatte sehr hoch und ich sehe in der Szene, die sich mit diesem Anspruch nach der Decke streckt, kaum jemanden, der ihm das Wasser reichen könnte.

 

Aber das ist nicht mein Ansatz, insofern auch nicht mein Problem. Wer sich gleichwohl mit einer solchen "Unterhaltungs-Erwartung" zu einem Konzert von mir einfindet, hat sich verlaufen. Etikettenschwindel liegt mir nicht. "Gewisse Leichtigkeit in der künstlerischen Gestaltung" kann ich bei manchen Themen bieten, bei anderen halte ich sie für fehl am Platze. Insofern bestreite ich auch Loriots These, dass Tragödie jeder könne, weil damit - anders als beim Anspruch auf "gute" Komödie - die Qualitätsfrage ausgeblendet wird.

 

Dass damit sprachgewaltigen Kritiker, die ihre Legitimation aus der Breite ihrer Veröffentlichungen als Rezensenten glauben schöpfen zu können und die sich anbieten als humor-lizensierende "Rezeptverkäufer" für den Erwerb von Respekt und Anerkennung (die ich natürlich mit meiner künstlerischen Leistung beim Publikum zu gewinnen trachte), bei mir nicht auf Interesse stoßen, mag sie zu schmallippiger Kritik veranlassen.

 

Sei es drum - sie sind nicht meine "Zielgruppe". Die jedenfalls ist kaum überschaubar, aber gewiss überschaubarer als all diejenigen zusammen, die in jedem Lied, am liebsten in jeder Strophe, auf den krachenden Gag oder zumindest die reißerische Formulierung zur Bekräftigung einer Gesinnung warten, die ihre "Fortschrittlichkeit" damit nachweisen könnte, dass sie der entspräche, die der auf feinsinnige Unterhaltung wartende Kritiker teilt.

 

Ich "mach mein Ding", und zwar nicht anders als in anderen Sprachen eigenständige Singer/Songwriter, beispielsweise Musikerkollegen aus dem Genre der Rootsmusik, die sich mit ernsten Themen auch ernsthaft künstlerisch auseinandersetzen, ohne dabei auf Erfolgs- oder Überzeugungsrezepte zu schielen, von denen künstelnde Schreiberlinge annehmen, dass ihre Aussagen Allgemeingültigkeit hätten.

 

Ich "mach mein Ding", und zwar so wie vor mehreren Jahrzehnten schon, als ich mit dem Bann eines bestimmten, sich "fortschrittlich" gerierenden Teils der "Szene" zu leben gelernt habe, denen meine bewusst gesuchte Distanz zu solchen Künstlern nicht gepasst hat, die für den raschen Erfolg die Nähe zu einer "Bewegung" gesucht haben, die über die Verteilung des Inhalts gut gefüllter Fleischtöpfe entscheiden konnte. Pläne lassen sich auch ohne "Pläne" verwirklichen, schreiben und singen kann man auch ohne den Respekt unwilliger Rezensenten, denen es an Integrität mangelt.

 

Und wenn es denn die Folge dieser Herangehensweise sein sollte, dann eben auch um den Preis, dass ich damit daran scheitere, das vermeintliche Loriot'sche Rezept umzusetzen, nämlich die Herzen der Menschen mit gewisser Leichtigkeit in der künstlerischen Gestaltung wesentlich eher für tiefer gehende, oft auch notwendige Inhalte zu öffnen, als mit der bloßen Schilderung der Übel dieser Welt. Nicht jede Rezeptesammlung taugt für jeden Geschmack. Ich koche in einer anderen Küche, bruzz'le mein Lieder-Süppchen auf einem anderen Herd, und ich habe auch selbst für wohlfeile Rezepte dann keine Verwendung, wenn sie nicht für das taugen, was ich künstlerisch erstellen möchte.

 

Meine Lieder entstehen irgendwo zwischen Bauch, Herz und Hirn, manchmal näher an dem einen, manchmal näher an dem anderen. Und weil ich es selbst spannend finde, wie unterschiedlich sich diese verschiedenen Nähen auf meine Lieder im Entstehungsprozess auswirken, halte ich mich mit lenkenden Eingriffen zurück und lass sie kommen, ehe ich sie gegebenenfalls mit geringfügigen Korrekturen versehe.

 

Genau das hat - meine ich - zur Folge, dass meine Liederprogramme abwechslungsreicher sind, als wenn ich die Lieder alle nach der selben Weise und mit gleich bleibendem Abstand zum Verstand, zum Gefühl oder zur Seele schreiben würde. So entstehen eben mal bissige emotionale, mal reflektierende, mal satirische, humorige Lieder, witzige Lieder für Kinder oder Erwachsene oder zu Herzen gehende Liebeslieder, die Gefühlen Ausdruck verleihen, die in anderen Liedern keinen Raum finden.

 

Mag sein, dass diese angestrebte Themenvielfalt - der ich mit musikalischer Vielseitigkeit zu entsprechen trachte - mich von manchen anderen Sängern eigener Lieder unterscheidet. Mag aber auch sein, dass dieser Unterschied nur, oder zumindest eher deutlich wird, wenn man nicht nur ein paar wenige Lieder hört, sondern ein komplettes Programm, durch das sich ein "roter Faden" ziehen lässt: Lieder, die einen Lebenslauf nachzeichnen, und die dabei in ihrer Vielfalt auch alles bieten können, was ein einziges Lied kaum bieten kann.

 

Wer sich nun zutraut, meine künstlerische Substanz auf der Grundlage eines verkürzten Eindrucks zu bewerten, den kann ich nicht daran hindern.

 

Ob er mir gerecht wird?

Weiß der Geier...

Wer weitere Informationen im Internet über mich sucht...

Dies ist nicht mein einziger Internet-Auftritt:

Deshalb ein paar Surf-Tipps:

 

Mehr Informationen zu meiner Person und meiner Arbeit  unter         www.gerdschinkel.de

Wer Videos sucht, kann einige hier auch auf dieser Seite finden.

 

Sonstige Spuren im Netz sind beispielsweise hier auffindbar:

 

http://www.youtube.com/user/gerdschinkel
http://www.youtube.com/user/besenwirt

http://www.youtube.com/user/kaltesauna